Die Wolfsangel das Ortswappen von Bornheim
"Das alte Bornheimer Wappen zeigt auf schwarzem Untergrund eine silberne "Wolfsangel". Zum ersten Mal erschien das Zeichen in einem 1621 belegten Gerichtssiegel sowie in dem darauf folgenden S(IGILLM) SCHULTHEIS V(ND) SCHEFFEN Z(V) BORNHEIM.
Die Wolfsangel ist ein altes Ortszeichen, das sich auch auf Grenzsteinen befindet. Nach 1815 führte das Dorf - wie die anderen Frankfurter Landgemeinden - ein Schriftsiegel und übernahm den freistädtischen Adler 1865 in sein Siegel, der im folgenden Jahr durch den preußischen Adler ersetzt wurde. "
Als "Wolfsangel" wird das Zeichen im Hessischen Ortswappenbuch beschrieben. Um es vorwegzunehmen: Die Bornheimer waren keine Wolfsfänger oder Dorfbewohner, die gerne Jagd auf Wölfe gemacht haben. Warum gerade diese Form gewählt wurde - nicht nur als Siegel oder Wappen, sondern auch von Steinmetzen etwa benutzt - hat seinen Grund darin, dass dieses Zeichen leicht zu bilden war. Eine senkrechte Linie, an deren beiden Enden ein geradlinig einfacher oder gekrümmter Haken angebracht war. Ein "Querstrich" konnte als Mittelstück eingefügt sein. (Bei dem Ortswappen von Seckbach fehlt er im Gegensatz zu Bornheim.)
Die "Wolfsangel" als heraldische Figur konnte auch die Form eines halben Mondes haben, wie sie in der "Wappenkunst" aus dem Jahr 1714 beschrieben wird: "Wolffs-Angel, frantz. hamecon, lat. uncus quo lupi capiuntur, ist die Form eines halben Mondes und hat inwendig in der Mitte einen Ring." Auch der Halbmond war leicht wiederzugeben. Doch damit ist nur eine Erklärung für die Wahl dieses Zeichens als (Orts)Wappen gegeben.
Eine tiefer gehende Deutung gibt Jochim Jänemann in seiner Untersuchung mit dem Titel "Der Wolf". Da die Wolfsangel als Steinmetzzeichen im Mauerwerk alter Kirchen und Burgen im 13. und 16. Jahrhundert zu finden ist und auch im Türstock, Hausbalken und im Siegel vieler Sippen und Geschlechter, meint der Autor, dass dadurch eine beschwörende Abwehr des Unheils und Bösen erreicht werden sollte. Für diese Auslegung mag sprechen, dass am Fahrtor in Frankfurt, von dem nur der Erker erhalten geblieben ist, zwei derbe gotische Steinmasken böse Menschen und böse Geister von Frankfurt fernhalten sollten.
Wie ging man mit der tatsächlichen Wolfsangel vor? Sie wurde mit Fleisch umwickelt und an einem Baum in Sprunghöhe des Wolfes so befestigt, dass er den Köder bequem erreichen konnte. Wenn nun der Wolf die Witterung aufgenommen hatte und erschien, versuchte er, den Köder durch einen Sprung herunterzubeißen. Der Widerhaken drang in den Rachen des Wolfes ein, der damit festgehalten war. Die Wolfsangel sollte es ermöglichen, den gehassten Räuber lebend zu fangen, weil man einzelne Wölfe als Werwölfe ansah, als dämonische Menschen, die sich in einen Wolf verwandeln können und sie daher zum Aufhängen über einem Feuer verurteilte.
(bearb_hz/2011)







