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Bornheimer Ortswappen sehr verdächtig!
Über den nachfolgenden Artikel haben wir seinerzeit (1999) gerne gelacht. Allerdings machen sich die Ordnungsbehörde in den letzten Monaten einen Spaß daraus wieder mit derselben Schlagzeile in der Tagespresse zu punkten.
Das Ortswappen des Stadtteils Bornheim hat einen 26jährigen in den Verdacht der Rechtsradikalität und vor Gericht gebracht. Das weiße Kreuz mit zusätzlichen Schrägbalken auf blauem Grund prangte auf seiner Wollmütze, als er im Februar dieses Jahres eine Kurden-Demonstration auf dem Römerberg beobachtete, berichtete das Frankfurter Landgericht gestern.
Polizisten hielten das Symbol neben der Aufschrift. Bornheim für ein Zeichen, das von der 1982 verbotenen rechtsradikalen Jugendorganisation "Junge Front" verwendet wurde. Der junge Mann wurde daher wegen Tragens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen beim Amtsgericht angeklagt. Dort konnte er nachweisen, dass sein Mützensymbol dem Wappen des 1877 von Frankfurt eingemeindeten Dorfes Bornheim entspricht. Als Beweis legte er eine Ausgabe des Bornheimer Wochenblatts" vor, das eben dieses Wappen im Zeitungskopf trägt. Im übrigen sei er eher dem linken politischen Spektrum zugeneigt und habe mit Ausländerfeindlichkeit nichts am Hut. Der Amtsrichter glaubte dem 26jährigen und sprach ihn frei.
Auch in der Berufungsverhandlung vor der 6. Strafkammer des Landgerichts fanden die Juristen, dass ein Wappen neben der Aufschrift Bornheim" in erster Linie den Eindruck vermittle, es handele sich eben um das Bornheimer Wappen. Dieses öffentlich zu tragen, sei auch dann nicht verboten, wenn eine verfassungswidrige Organisation das gleiche Zeichen verwendet habe. Die Bornheimer könnten daher unbesorgt bleiben, wenn sie sich zu ihrem Wappen bekennen. Zumal diese eine lange Tradition hat: Bereits 1621 erschien es zum ersten Mal in einem Bornheimer Gerichtssiegel, und auch später wurde es häufig von den örtlichen Schultheißen verwendet.
Unter anderem ist es auch heute noch auf den Grenzsteinen um Bornheim zu finden. Das Zeichen des Missverständnisses, das auf dem Wappen zu sehen ist heißt "Wolfsangel". Für das Ortswappen wählte man es nicht etwa, weil die Bornheimer gerne Jagd auf Wölfe machten, sondern weil es aufgrund der klaren Linien leicht umzusetzen und darzustellen ist.
Dass das Wappen aus dem ,Lustigen Dorf' mal für juristische Auseinandersetzungen nach Art des Fernseherprobten Königlichbayrischen Amtsgerichts in München sorgen würde, hätte wohl niemand geglaubt. (1h/kne) (Artikel der Frankfurter Neuen Presse vom 16.07.1999)
(bearb_hz/2011)







