Die Sage der "Lisbethverbrennung"
Ende des 17 Jh. Soll sich in einem Dorf nahe einer Freyen Reichs und Handelsstadt folgendes zugetragen haben. Die Landgemeinde zählte damals ca. 1000 Seelen und innerhalb der Dorfgemeinschaft wurde zusammen gefeiert und getrauert. Hochzeiten und die Kirchliche Feste waren einige der wenigen Abwechslungen die man damals kannte. Es war eine schwere Zeit in der man nur bestehen konnte, wenn die Gemeinschaft fest zusammen hielt.
Zu diesem Zeitpunkt wurde schon alljährlich das Kirchweihfest am Platz vor der Kirche mitten im Ort und den Gasthäusern gefeiert. Jeder im Ort freute sich auf die Abwechslung die dieses Fest einmal im Jahr bot. Geselligkeit, Tanz, Marketenderinnen, Bier und Äppelwoi den ganzen Tag, die ganze Nacht. 9 Monate später erblickte immer eine stolze Zahl von Kindern das Licht der Welt.
In diesem Ort gab es kurz vor dem Schlagbaum eine Wiese, auf der ein kleines Haus mit Scheune und Stallungen stand. Der Hausherr hätte sich schon gern auf der Kirchweih und im Ort umgeschaut, ein Bier getrunken und vielleicht auch einen Stammhalter gezeugt. Aber mit der Frau die ihm das Schicksal beschert hatte, nein das wollte er der Nachwelt nun doch nicht zumuten. Ständig war sein Weib am keifen, am meckern, schmuddelig anzusehen, zerzaust, nervend und altklug fiel sie nicht nur ihm, sondern auch der Dorfgemeinschaft auf die Sand-, Eier- und Sonnenuhr.
Eines abends in der Dorfgaststätte klagte unser Hausherr den anwesenden sein Leid. Er wolle in die weite Welt hinaus, bis zum ende der Erdscheibe. Irgend etwas muss passieren, mit diesem Drachen unter einem Dach das kann nicht länger gut gehen. Er wolle eher gehen als sich an seiner Frau versündigen. Der Abend war ja recht vergnüglich bisher, Bier und Wein flossen in Strömen es wurde viel gelacht, gesungen und man freute sich auf das Kirchweihfest das morgen beginnen sollte.
Tja, bis zu dem Zeitpunkt als unser Hausherr wieder einmal von seiner Spaßbremse Lisbeth anfing. So konnte das nicht weiter gehen. Hier musste etwas unternommen werden sonst wäre wie die Jahre zuvor das Fest allein durch die Anwesenheit der vorgenannten Person gelaufen. Man beschloss gemeinsam die Lisbeth über die Kirchweih hinweg einzusperren, damit in aller Ruhe gefeiert werden konnte.
Gesagt getan, war das ein Gekreische, gepolter, wüste Beschimpfungen, ganz egal wo man die Lisbeth hinsperrte man hatte keine Ruhe vor ihr. Dann kam ein findiger Waldläufer auf die Idee die Lisbeth im tiefen finstren Buchwald an einem Baum anzubinden. Damit die wilden Tiere der Lisbeth nichts tun konnten, solle man dieses Weib nur hoch genug festbinden. So kam es das sich die Lisbeth schimpfend und keifend, hoch oben in einer Fichte, der einzigsten im Buchwald, wieder fand. Weit weg vom Ort saß sie auf einem Brette, über ihr nur noch die Krone des Baumes und unter dem Brett alle Äste abgesägt, die Rinde entfernt damit auch wirklich kein wildes Tier den Stamm hoch- oder die Lisbeth herunter klettern konnte.
Nach dem diese Arbeit am Samstagmorgen getan war, konnte man sich mit aller Kraft dem Kirchweihfest zuwenden. Es war ein schönes Fest, kein Gekeife oder Gekreisch, der Pfarrer wurde nicht 25mal in seiner Predigt wie sonst unterbrochen. Keiner meckerte das zuviel Bier oder Wein getrunken wurde und unser Hausherr lernte sogar eine Dienstmagd kennen die über die lustigen Tage in dem Dorfe ihrem Gewerbe nachging. Bier, Wein, tanzend und singend so vergnügt wie in diesem Jahr wurde die Kirchweih lang nicht mehr gefeiert. Am späten Sonntagabend erinnerte man sich wieder an die Lisbeth. Jeder meinte das dieser Platz wie geschaffen wäre für sie und so lange die Lisbeth hoch oben im Baum sitzt ist das Fest doch wunderbar.
Erst am Mittwoch der folgenden Woche machte sich die Gemeinschaft dann doch auf den Weg um die Lisbeth zu holen. Unser Hausherr wäre viel lieber bei seiner gut aussehenden und gut gebauten Dienstmagd geblieben aber der Herr Pfarrer wollte ihn unbedingt dabei haben.
Donnergrollen war zu hören, der Himmel zog sich zu, immer tiefer ging es in den Forst hinein. Blitze erhellten den dunklen Wald und dicke Regentropfen fielen auf den ausgetrockneten Boden, kein Vogel kein Tier war zu hören, das Gekeife und Gekreische der Lisbeth übertönte wieder einmal alles. Dann plötzlich war das Gewitter über unseren Dorfbewohnern die sich ängstlich die Hände schützend über den Kopf hielten. Blitze, Donner das die Erde bebte und Hagel - Einschläge in nächster nähe und auf einmal Brandgeruch im Wald.
Stille - die Blicke der Dorfbewohner richteten sich vorsichtig nach oben, zuerst konnte man es nicht glauben, verwundert schauten sich die Dorfbewohner einander an. Der einzigste der diese Situation sofort begriff war unser Hausherr, er fiel auf die Knie und schickte mehrere Dankgebete zum Himmel. Voller Freude umarmte er Nachbarn, Freunde und rief immer wieder "Schau doch, wie schön die Lisbeth brennt, schaut doch wie wunderschön meine Lisbeth brennt".
So soll es sich zugetragen haben. In Erinnerung an die schöne friedliche Kirchweih machten es sich die Dorfbewohner zur Tradition im Ort eine Fichte aufzustellen und in großer Höhe als Mahnung eine symbolische Lisbeth anzubringen. Den Stamm schält man seither und am ende des Festes wird wie vor vielen Jahren die Lisbeth verbrannt. (hz)







